Studie "Menschen mit Hörgeräten in der Schweiz"
Soeben ist meine Studie von Pro Audito Schweiz publiziert worden. Ihr voller Titel lautet «Theo Hutter (2025): Menschen mit Hörgeräten in der Schweiz im Kontext der Hörhilfsmittelfinanzierung durch AHV und IV 2006-2023».
Die Reise zu diesem Punkt begann vor eineinhalb Jahren mit der Beschaffung der detaillierten Rechnungsdaten zu den Hilfsmittelzahlungen von AHV und IV via das Bundesamt für Sozialversicherungen.
Es folgte eine lange Phase der detektivischen Datenerkundung und ‑bereinigung, wie dies bei administrativen Daten nicht unüblich ist.
Um die Menschen mit Hörgeräten statistisch genauer porträtieren zu können, stellte ich einen Antrag auf Verknüpfung der Hilfsmitteldaten mit den Bevölkerungsdaten des Bundesamtes für Statistik, dem stattgegeben wurde. In der Folge sind nun die erzeugten Informationen umfangreicher und neuartiger als ich mir das ursprünglich gedacht hatte.
Jetzt hoffe ich, dass sie auch interessant und nützlich sind.
Nachstehend einige Ergebnisse, die hier im Fohrum von Interesse sein könnten:
Rund 330'000 Personen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz (3,8 Prozent) haben Hörgeräte.
Von diesen tragen rund 3050 Personen ein oder zwei Cochlea-Implantate. Das ist weniger als ein Prozent der Personen mit Hörgeräten, also ein sehr kleines Grüppchen. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung beträgt 0.034 Prozente. Rund 540 Menschen mit CI sind Kinder (jünger als 19 Altersjahre), das sind 18 Prozent aller Menschen mit CI.
Für Hörhilfsmittel (Verstärkungshörgeräte, ärztliche Expertisen zur Beitragsberechtigung für Verstärkungshörgeräte, Hörgeräte zu Implantaten, FM- oder Signalanlagen) gaben AHV und IV im Jahr 2023 rund 110 Millionen Franken aus. Davon 77,6 Millionen für Verstärkungshörgeräte und 15,7 Millionen für Hörgeräte zu Implantaten. Die ärztlichen Expertisen kosteten 15,4 Millionen. Für FM- oder Signalanlagen fielen 1,3 Millionen an.
Die Beiträge von AHV und IV für Hörgeräte sind nach der Reform 2011 markant gesunken. Die beiden Versicherungen haben seitdem zusammengezählt über eine Milliarde Franken gespart, wie eine von mir durchgeführte Simulationsrechnung zeigt.
In einer wieteren Simulationsrechnung habe ich geprüft, welche Zusatzkosten für die AHV und IV anfallen würden, wenn alle Menschen mit Hörgeräten Beiträge erhielten. Das überraschende Ergebnis: Die geschätzten Zusatzkosten bewegen sich etwa im Rahmen des Betrags, den die Versicherungen für die Abklärung der Beitragsberechtigung aufwenden.
Wer einen Blick in die Studie oder deren Zusammenfassung werfen möchte, wird HIER fündig.
Jahrgang 1956. Ab 50igstem Lebensjahr progressiver Hörverlust rechts, ohne Befund; ab 57igstem Lebensjahr progressiver Hörverlust Links, ohne Befund
Rechts: Cochlea Implantat MED-EL, Januar 2029 Universitätsklinik Zürich, Sprachprozessor: Sonnet 2 und Rondo2
Links: Cochlea-Implantat MED-EL, 11.11.2024; Sprachprozessor: Sonnet 2
Seit Mai 2023 Mitglied im Zentralvorstand von Pro Audito Schweiz, Ressort Technik und Statistik.
Geschäftsführer StatHutt GmbH (Statistische Analysen im Themenbereich Schwerhörigkeit)
Persönlicher CI-Erfahrungsbericht: https://cochlea-implantat-2.jimdofree.com
Veröffentlicht von: @AnonymIch habe übrigens erst jetzt gesehen, dass Du auf Deinen persönlichen CI-Erfahrungsbericht verlinkst (nur ganz klein und dezent in der Signatur). Das ist enorm spannend zu lesen! Ich habe da vielleicht noch die eine oder andere Frage an Dich (wenn ich darf)... 😎
Du darfst gerne.
Jahrgang 1956. Ab 50igstem Lebensjahr progressiver Hörverlust rechts, ohne Befund; ab 57igstem Lebensjahr progressiver Hörverlust Links, ohne Befund
Rechts: Cochlea Implantat MED-EL, Januar 2029 Universitätsklinik Zürich, Sprachprozessor: Sonnet 2 und Rondo2
Links: Cochlea-Implantat MED-EL, 11.11.2024; Sprachprozessor: Sonnet 2
Seit Mai 2023 Mitglied im Zentralvorstand von Pro Audito Schweiz, Ressort Technik und Statistik.
Geschäftsführer StatHutt GmbH (Statistische Analysen im Themenbereich Schwerhörigkeit)
Persönlicher CI-Erfahrungsbericht: https://cochlea-implantat-2.jimdofree.com
Lieber Theo. Herzlichen Dank für deinen Einsatz mit dieser Studie. Sehr eindrückliche Zahlen. Ob damals im 2011 beim Systemwechsel den Verantwortlichen und Politikern klar war, dass wir schwerhörige Menschen die Geprellten sind? Zu Zahlen CI-Träger: Ich meinte auch, dass es in der Schweiz viel mehr CI-Träger:innen gibt? Das CI-Zentrum hat jährlich ca. 50 CI-OP und existiert seit 1990. Sind bei deinen Zahlen auch Kleinkinder erfasst, die gehörlos geboren sind?
Jg 1954, ende 1955 Hirnhautentzündung, dadurch hochgradig schwerhörig. 1960 monaural 1.Mini-Taschenhörgerät. 1971 erstmals binaural HdO-Geräte, immer die stärksten HdO-Geräte, meistens von Phonak. 1992 Hörsturz, hat sich dann grösstenteil erholt. 2010 Links CI-OP mit Medel. Rechts höre ich nur noch 0.2%, also nur noch Töne. Dank CI höre ich links ab 30 dB. Bin seit Kindheit mit Lippenlesen nebst Hören und Kombinieren gewohnt.
Veröffentlicht von: @christoph-kuenzlerZu Zahlen CI-Träger: Ich meinte auch, dass es in der Schweiz viel mehr CI-Träger:innen gibt? Das CI-Zentrum hat jährlich ca. 50 CI-OP und existiert seit 1990. Sind bei deinen Zahlen auch Kleinkinder erfasst, die gehörlos geboren sind?
Im CI-Register waren bis Ende 2023 5141 Implantationen der fünf implantierenden Zentren der Schweiz seit 1977 registriert. Wobei zu beachten ist, dass jedes Implantat gezählt wird. Das heisst, eine beidseitige Implantation ergibt zwei Implantationen. Mein eigener Fall führt zu zwei Implantationen im Register, einmal 2019 (rechts) und einmal 2024 (links). Aus dem Register lässt sich der Personenbestand zu einem bestimmten Zeitpunkt deshalb nicht ermittelt. Denn es kommt noch dazu: die Leute wandern zu und weg, es werden auch Implantate entfernt und auch CI-Träger sterben.
Meine Quellen, die Hörhilfsmitteldaten von AHV/IV/UV/MV, verknüpft mit den Daten zum Bevölkerungsstand am Jahresende des Bundesamtes für Statistik, haben die empirisch fundierte Berechnung von CI-Personenbestandeszahlen ab dem Jahr 2010 erstmals möglich gemacht. Und ja, Kinder sind mitgezählt und zwar mit grosser Präzision, da bei ihnen durchwegs IV-Hilfsmittelzahlungen erfolgen.
Jahrgang 1956. Ab 50igstem Lebensjahr progressiver Hörverlust rechts, ohne Befund; ab 57igstem Lebensjahr progressiver Hörverlust Links, ohne Befund
Rechts: Cochlea Implantat MED-EL, Januar 2029 Universitätsklinik Zürich, Sprachprozessor: Sonnet 2 und Rondo2
Links: Cochlea-Implantat MED-EL, 11.11.2024; Sprachprozessor: Sonnet 2
Seit Mai 2023 Mitglied im Zentralvorstand von Pro Audito Schweiz, Ressort Technik und Statistik.
Geschäftsführer StatHutt GmbH (Statistische Analysen im Themenbereich Schwerhörigkeit)
Persönlicher CI-Erfahrungsbericht: https://cochlea-implantat-2.jimdofree.com
Ich finde diese Studie sehr interessant und wertvoll! Die Zahlen sind eindrücklich.
Was mich ärgert, dass der Bund über eine Milliarde eingespart hat auf Kosten der Hörbehinderten! Gleichzeitig können Hörbehinderte keine IV-Rente beziehen.
Mit dem Geld, das für die Abklärungen „verschwendet“ wird, könnte man vielen die finanziellen Belastungen für die teuren Hörgeräte ersparen. Ich denke dabei auch an Familien, wo beide Elternteile Hörbehindert sind.
Ich habe eine schwerhörige Arbeitskollegin, die genau zu diesen Personen gehört, die „zu gut“ hören und deshalb keine Unterstützung bekommt für die Finanzierung für Hörgeräte. Es gibt viele Missverständnisse bei der Arbeit. Sie zieht sich auch immer mehr zurück. Sie kann ihr Pensum nicht erhöhen, weil sie sich kräftemässig nicht mehr in der Lage fühlt. Ich habe sie darauf angesprochen, ob sie nicht Hörgeräte anschaffen möchte und da erklärte sie mir , dass sie zu wenig schlecht höre. Das ist doch Blödsinn, oder?
Seit 1970 auf Erden, ab Geburt hörbehindert, 2 CI‘s Med-El (2009/2011)
Wau... Wir CI-Träger gehören also wirklich einer deutlichen Minderheit an... 😯 🤔
Ja, das mit der IV ist so eine Sache… Auch ich war bei meinem ersten Test zuerst auf der Grenze zwecks finanzieller Unterstützung für Hörgeräte. Im Beruf bemerkte ich damals aber bereits eine Einschränkung. Ich rate dazu bei den Hörtests wirklich erst zu drücken, wenn man den Ton deutlich wahrnimmt. Gespräche will man ja auch wieder deutlich wahrnehmen und nicht erahnen. Evt. hat es sich dann mit der Unterstützungsgrenze auch erledigt... 😉
Die Gesamtlautstärke kann/wird später bei der Einstellung noch nachjustiert.
Innerhalb 12 Jahren von Normalhörend zum CI-Träger mutiert.
Seit August 2024 einseitig mit einem CI Rondo 3 on MED-EL versorgt.
Zweite Implantation im Frühling 2025 erfolgt.
Zum Thema:
Presseartikel: AHV soll Hörgeräte früher finanzieren
Innerhalb 12 Jahren von Normalhörend zum CI-Träger mutiert.
Seit August 2024 einseitig mit einem CI Rondo 3 on MED-EL versorgt.
Zweite Implantation im Frühling 2025 erfolgt.
