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Hörtaktik im Berufsalltag

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Christoph Kue
(@christoph-kuenzler)
Mitglied Moderator

Kürzlich diskutierte ich mit einem frisch pensionierten hörbehinderten Berufsmann. Da er trotz Hörgeräten nicht immer alles verstanden hat, hat er dann fast dauernd das Gespräch geführt respektive fast dauernd gesprochen, damit sein Gegenüber ihn dann zuhören musste. Das ist nicht meine Art, so dauernd zu sprechen. Ich empfinde es unangenehm, wenn mein Gegenüber dauernd spricht und man dann mit Antworten oder Argumenten den Redefluss zu unterbrechen versucht. Wie machst du es mit dem Hörtaktik respektive mit dem "gut verstehen" im Berufsalltag?

Jg 1954, ende 1955 Hirnhautentzündung, dadurch hochgradig schwerhörig. 1960 monaural 1.Mini-Taschenhörgerät. 1971 erstmals binaural HdO-Geräte, immer die stärksten HdO-Geräte, meistens von Phonak. 1992 Hörsturz, hat sich dann grösstenteil erholt. 2010 Links CI-OP mit Medel. Rechts höre ich nur noch 0.2%, also nur noch Töne. Dank CI höre ich links ab 30 dB. Bin seit Kindheit mit Lippenlesen nebst Hören und Kombinieren gewohnt.

Zitat
Themenstarter Veröffentlicht : 10.05.2024 06:13
Christoph Kue
(@christoph-kuenzler)
Mitglied Moderator

Während meiner Berufskarriere musste ich oft am Telefon mit dem Unternehmer über seine Offerte besprechen und offene Punkte  zu bereinigen. Darunter kamen am Schluss die Fragen nach Verfügbarkeit, und wichtig die Frage nach Konditionen mit mehr Rabatte und Skonto. Ich habe dann die neuen Rabatte und Skonto mündlich wiederholt, da es dann als Grundlage für den Werkvertrag geschrieben wurde. Wie machst du es?

Jg 1954, ende 1955 Hirnhautentzündung, dadurch hochgradig schwerhörig. 1960 monaural 1.Mini-Taschenhörgerät. 1971 erstmals binaural HdO-Geräte, immer die stärksten HdO-Geräte, meistens von Phonak. 1992 Hörsturz, hat sich dann grösstenteil erholt. 2010 Links CI-OP mit Medel. Rechts höre ich nur noch 0.2%, also nur noch Töne. Dank CI höre ich links ab 30 dB. Bin seit Kindheit mit Lippenlesen nebst Hören und Kombinieren gewohnt.

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Themenstarter Veröffentlicht : 10.05.2024 06:19
Eva the cyborg
(@eva-the-cyborg)
Mitglied

Da hat wohl jeder seine eigene Hörtaktik, vermutlich auch je nach Situation.

Ich selbst telefoniere nie. Ich will alle Informationen schriftlich haben. Es ist ja auch doppelte Arbeit, zuerst zu telefonieren und dann nochmals alles schriftlich festzuhalten, damit es keine Missverständnisse gibt.

Zum Glück ist das mittlerweile Standard im Berufsleben und es läuft (fast) alles per Email.

Was mir bei einigen/vielen (man soll ja nicht pauschalisieren…) Hörbehinderten auffällt: je schlechter sie hören, desto mehr sprechen sie. Weil sie dann nicht selbst zuhören müssen (was eben schwer ist).

Der unstoppbare Redefluss wird dann noch getoppt, indem sie häufig wegschauen oder sogar die Augen schliessen beim Reden.

Keine Chance, in das Gespräch reinzukommen und auch mal was beizutragen!

Aus solchen Gesprächen (oder besser gesagt «Monologen») verabschiede ich mich dann relativ zackig.

Und meine eigene Hörtaktik? Ich versuche, so gut es eben geht, alles mitzubekommen (*haha*).

Wenn das nicht funktioniert, z.B. in einem lauten Restaurant, sage ich klipp und klar, dass ich nicht kommunizieren kann und ziehe mich einfach zurück.

Da muss ich immer sehr aufpassen, dass die negativen Emotionen nicht hochköcheln, wenn alle sich lustig unterhalten und lachen, während ich davon komplett ausgeschlossen bin.

Gelegentlich trifft mich dann ein Blick des Unverständnisses: «Was ist denn los mit dir? Du hörst doch gut mit deinen Geräten?!»

Das ist schon wieder Stoff für ein anderes Thema…

> Spätertaubt mit 17 Jahren, CI-Trägerin
.
> Nimm das Leben nicht so ernst, du kommst hier eh nicht lebend raus!

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Veröffentlicht : 10.05.2024 07:14
(@burgfeld3006)
Mitglied

Ich habe keine Hörtaktik, auch ich habe es lieber schriftlich und per e - mail oder SMS . Da es es ganz klar keine Missverständigung . Beim Tel . können vieles falsch verstanden werden. Ich hatte immer angst , falsch zu verstehen. Ist Natürlich auch übungssache , je mehr man übt um so besser versteht man.  Ich hatte damals nicht gewusst , dass man Telefonspule haben kann. Erst als ich gefragt habe, und ich es ausprobiert habe, habe ich auf Telefonspule vieles mehr verstanden. Man sollte immer weitersagen. Es gibt immer noch zu wenig Personen , die nicht wissen , was dass ist !!

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Veröffentlicht : 12.05.2024 14:51
Christoph Kue
(@christoph-kuenzler)
Mitglied Moderator

Es gibt Situationen, wo das Telefonieren besser ist als hin und her per E-Mail zu schreiben. In meinem Berufsleben als Architekt war ich nebst Planung auch als Bauleiter tätig. 

Ich hatte mal eine Reklamation mit einem Unternehmer wegen unsauberer Arbeit auf der Baustelle. So schrieb ich ein E-Mail an ihn, es dauerte einige Tage mit der Rückantwort. Diese Rückantwort war nicht aussagekräftig. So schrieb ich nochmals ein E-Mail. Rückantwort kam nicht besser zurück. Auf Druck meines Chefs musste ich dann telefonieren. Im Telefongespräch konnten wir dann diese unsaubere Arbeit klären, der Unternahmer hat dies dann in Ordnung gebracht.

Fazit: Es gibt Situationen, da ist ein Telefongespräch besser als viele E-Mails hin und her!

Jg 1954, ende 1955 Hirnhautentzündung, dadurch hochgradig schwerhörig. 1960 monaural 1.Mini-Taschenhörgerät. 1971 erstmals binaural HdO-Geräte, immer die stärksten HdO-Geräte, meistens von Phonak. 1992 Hörsturz, hat sich dann grösstenteil erholt. 2010 Links CI-OP mit Medel. Rechts höre ich nur noch 0.2%, also nur noch Töne. Dank CI höre ich links ab 30 dB. Bin seit Kindheit mit Lippenlesen nebst Hören und Kombinieren gewohnt.

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Themenstarter Veröffentlicht : 14.05.2024 10:04
Antoinette
(@antoinette)
Mitglied Moderator

Ich muss auch relativ häufig telefonieren. Einfach die Namen und Adressen richtig zu verstehen finde ich schwierig. Was ich aber  zum Glück nie machen muss, ist das Telefon in der Praxis abzuheben. Dafür bin ich meinem Team sehr dankbar.  

Namen richtig zu verstehen und vorallem  die Adresse ist echt schwierig.

Früher konnte man die Festnetznummer im local.ch eingeben und dann konnte man Name und Adresse erfahren. Heute haben die meisten keine Festnetznummer mehr.

Damit ich die Adresse korrekt erfassen kann, bitte ich sie alles per SMS zu schicken. So gehts recht gut. 

Seit 1970 auf Erden, ab Geburt schwerhörig, 2 CI‘s Med-El (2009/2011)

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Veröffentlicht : 25.05.2024 18:16
Eva the cyborg
(@eva-the-cyborg)
Mitglied

@antoinette 

Ou ja, die NAMEN *facepalm* 

Erst kürzlich habe ich mitgekommen, dass ich einer Bekannten über 1 Jahre lang (!) den falschen Namen gesagt habe. Ähnlich, aber eben nicht richtig.

Sie nahm es mit Humor: "Ach, der Name ist doch auch ok."

Adressen fallen unter eine ähnliche Kategorie, aber die kann man wenigstens recherchieren und blamiert sich nicht.

 

 

> Spätertaubt mit 17 Jahren, CI-Trägerin
.
> Nimm das Leben nicht so ernst, du kommst hier eh nicht lebend raus!

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Veröffentlicht : 26.05.2024 07:05
(@margot)
Mitglied

Ich bin kein Cyborg und 100% taub, aber kenne einige Mitglieder von früher, als ich aktiv beim damaligen Schwerhörigen-Verein mitgemacht habe, daher habe ich im Fohrum herumgestöbert und mich nun doch angemeldet.

Telefonieren: das ist tatsächlich schwierig (bei mir sogar unmöglich) aber mir ist die Entwicklung der Technologien laufend entgegengekommen. Ich schalte von extern eine Schriftdolmetscherin hinzu und kann so auch an Telefonkonferenzen teilnehmen (via Teams), war noch vor 5 Jahren undenkbar. Die grosse Schwierigkeit besteht darin mich aktiv einzubringen, der Vorteil ist, dass ich so die Informationen erhalte wie meine hörenden Teamkollegen. Als Scrum Mitglied in einem Projekt muss ich an vielen Besprechungen und Workshops teilnehmen, daher entstehen pro Jahr ungedeckte Kosten von mehreren tausend Franken, da das Jahresbudget nicht ausreicht. Wie geht ihr damit um?

Bis jetzt habe ich im Forum den Eindruck erhalten, dass CI-Träger:innen nicht auf Schriftdolmetschen angewiesen sind, bin aber gespannt ob es doch jemanden gibt.

AntwortZitat
Veröffentlicht : 28.05.2024 10:59
Christoph Kue
(@christoph-kuenzler)
Mitglied Moderator

Liebe Margot. Danke für deine Schilderung betreffend unmöglich telefonieren. Ich verstehe dich gut, dass du mit deinem Nichtshören so versuchst, das Schriftdolmetschen an deinem Arbeitsplatz anzuwenden. Ich kenne die IV-Regelung nicht, wieviel die IV pro Jahr bezahlt? Gibt es keine “Härtefall für mehr IV-Leistungen”? Ich weiss von einigen CI-Träger:innen die nicht telefonieren und dafür mit E-Mail, WhatsApp usw. kommunizieren. Ich denke, jeder versucht das Optimum zu holen. Ich selber musste schon in der Berufslehre mit Skepsis lernen zu telefonieren. So blieb ich beruflich in der Übung, auch wenn ich es manchmal nicht alles verstanden habe. 

Jg 1954, ende 1955 Hirnhautentzündung, dadurch hochgradig schwerhörig. 1960 monaural 1.Mini-Taschenhörgerät. 1971 erstmals binaural HdO-Geräte, immer die stärksten HdO-Geräte, meistens von Phonak. 1992 Hörsturz, hat sich dann grösstenteil erholt. 2010 Links CI-OP mit Medel. Rechts höre ich nur noch 0.2%, also nur noch Töne. Dank CI höre ich links ab 30 dB. Bin seit Kindheit mit Lippenlesen nebst Hören und Kombinieren gewohnt.

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Themenstarter Veröffentlicht : 28.05.2024 22:03
Eva the cyborg
(@eva-the-cyborg)
Mitglied

@margot 

Ich habe bis vor Kurzem nicht mal gewusst, dass es Schriftdolmetscher:innen gibt. Nach welchen Kriterien kann man die denn in Anspruch nehmen? 

Gerade bei Weiterbildungen wäre das eine super Sache! Obwohl ich recht gut verstehe (und kombiniere) mit den CI, bekomme ich trotzdem nicht 100% mit. Diese Lücke würde dann ein Schriftdolmetscher füllen.

Ich kann mir aber vorstellen, dass es Hürden gibt. Sonst hätte ja jeder ständig einen Dolmetscher an seiner Seite (fast wie ein Bodyguard für die Ohren 🤣).

> Spätertaubt mit 17 Jahren, CI-Trägerin
.
> Nimm das Leben nicht so ernst, du kommst hier eh nicht lebend raus!

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Veröffentlicht : 29.05.2024 07:19
(@margot)
Mitglied

Lieber Christoph: ich benutze privat auch whatsapp oder E-Mail, in einem Grossunternehmen funktioniert dies jedoch nicht. Die Kommunikation ist komplex geworden, daher bin ich froh, dass es das Schriftdolmetschen gibt, andernfalls könnte ich die Anforderungen nicht erfüllen. Die IV bezahlt pro Jahr max. SFR 22'000.00 für Gebärden- oder Schriftdolmetschen sofern du eine Arbeitsplatzverfügung hast. Es gibt eine Abteilung für Arbeitsplatzerhalt, da kann man separat Gesuche stellen, zB. für eine dringend notwendige Weiterbildung. Ob erfolgreich, hängt stark davon ab, wer zuständig ist und wie das Gesuch begründet wird.

Vor 2 Jahren meinte eine CI-Kollegin zu mir, dass mir die IV nur die Schriftdolmetscheinsätze bezahlt, weil es immer weniger gibt die nichts hören und solche Einsätze brauchen. Kann sein und ich denke, dass die CI-Geräte auch dank KI technisch immer besser werden, so dass in nicht so ferner Zukunft CI-Träger:innen besser hören werden als Guthörende aber wenn ich in unseren wechselnden Teams erlebe, wie schnell an Sitzungen geredet wird, gespickt mit vielen Fachausdrücken, kann ich mir nicht vorstellen, dass es ohne Unterstützung geht. Mit den Jahren hat bei den anderen zwar die Disziplin zugenommen und sie reden nicht mehr durenand aber «nuscheln» tun sie leider immer noch.

Ich habe dich übrigens immer bewundert, wie du dein Berufsleben gemeistert hast und kann mir gut vorstellen, dass die Telefonate anspruchsvoll waren für dich.

Liebe Eva: ich weiss nicht, wie dies bei selbstständig Erwerbstätigen gehandhabt wird bei Weiterbildungen aber frage doch bei Pro Audito Zürich nach. Frau Bärtschi ist kompetent und hilft immer weiter. Zudem gibt es eine Mitarbeiterin mit viel Erfahrung im Umgang mit der IV. Ich habe schon sehr hilfreiche Tipps erhalten. Schriftdolmetscheinsätze wären für dich nach der Ertaubung das Richtige gewesen, schade gab es das damals noch nicht.

AntwortZitat
Veröffentlicht : 29.05.2024 17:40
Burgfeld3006 reacted
Antoinette
(@antoinette)
Mitglied Moderator

@margot: wäre noch schön, wenn CI-TrägerInnen dank KI immer besser hören würden, kann mir das aber nicht so vorstellen. Aber wer weiss? Wäre noch lustig, mal auf der anderen Seite zu stehen 😏 

ich habe notfallmässig mal einen Schriftdolmetscherdienst in Anspruch genommen wegen einer Weiterbildung . Es war während Corona und die Weiterbildung wurde per Zoom geführt. Das Internet lief nicht so gut und weil die Bilder so verzögert kamen, konnte ich deswegen nicht Lippenlesen. Ich war total aufgeschmissen und ich  suchte Hilfe bei pro audito Schweiz und sie haben mir sehr unbürokratisch eine Woche später, für den 2. Weiterbildungstag, 2 Schriftdolmetscherinnen für einen ganzen Tag organisiert und die IV hat die Kosten übernommen. Ich war so froh über dieses Angebot und kann es auch sehr empfehlen dieses Angebot zu nutzen. 

Seit 1970 auf Erden, ab Geburt schwerhörig, 2 CI‘s Med-El (2009/2011)

AntwortZitat
Veröffentlicht : 29.05.2024 20:34
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